23. Mai 2010

Über Redefreiheit und göttlichen Funken (Ein Wort zu Pfingsten)

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Unter den christlichen Festen ist für mich Pfingsten das Faszinierendste. Jungfrauengeburt (Weihnachten) und Auferstehung (Ostern) gibt es auch in anderen Religionen und Mythen.

Aber Pfingsten ist etwas ganz Besonderes.

Der göttliche Geist stößt als feurige Naturgewalt auf eine Menschenmenge. Das wiederum sorgt für absolute Kommunikation:
Jede(r) versteht auf einmal jede(n)!
So betritt der heilige Geist, die dritte Person der Dreieinigkeit, die Weltbühne – ein radikaler Schritt. Gott ist nicht mehr (siehe Jahwe) über den Menschen oder (siehe Jesus) bei den Menschen. Nein, nun ist Gott als feuriger Funke im Menschen. Die Folge: Freiheit des Wortes! Verständigung! Kreativer Austausch! Be-Geist-erung!

Paulus sagt Jahre nach dem ersten Pfingstfest: Wo der Geist Gottes weht, da ist Freiheit. Eigentlich schade, dass in der Kirchengeschichte so wenig von dieser Freiheit zu spüren und zu sehen ist. Pfingsten sollte ganz neu und frisch zu Ehren kommen.


16. Mai 2010

Mehr Rückzugsnischen für leise Menschen!

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Heute schreibe ich über einen besonderen Menschen in meinem Leben:
über Herrn Sohn. (Ich nenne ihn auf Twitter so und bleibe hier dabei!)

Herr Sohn (10) also hatte heute einen frustrierten Verzweiflungausbruch.
Was war passiert?

Eigentlich sollte es ein schönes Wochenende werden. Ein fröhliches Frühlingswochenende in einer Jugendherberge mit 14 anderen Kindern aus einer internationalen evangelischen Kirchengemeinde, die ich wegen ihrer Weltoffenheit sehr schätze. Genügend erwachsene Betreuer, die wir kennen.

Herr Sohn aber ist diese Zeit schlecht bekommen. Richtig schlecht. Der Grund:
Alles wurde gemeinsam getan! Gruppentreffen und Sport, Musik und Essen, sogar Wandern:
Alles, alles passierte gemeinsam in der Gruppe. Schlafen im Sechsbettzimmer. Rückzugsmöglichkeit: null.

Ich weiß natürlich, dass Herr Sohn ein leiser Mensch ist. Dass er zwischendurch allein Zeit zum Denken und Luftholen braucht. Deshalb hatte er von mir einen Rat im Reisegepäck: Wenn es dir zuviel wird, hast du das Recht, dich auszuklinken. Jederzeit.

Genau das hatte er sogar vorher klargestellt – und während des Wochenendes auch zweimal versucht. Das Ergebnis: friendly fire. Will heißen: Beide Male überredete ihn eine erwachsene Betreuungsperson freundlich, doch lieber wieder zur Gruppe zurückzukehren. Was kann ein leiser Zehnjähriger dem entgegensetzen?

Wozu ich das schreibe: Leise Menschen brauchen Rückzugsnischen!
Eben weil sie leise sind, machen sie sich und anderen das oft nicht deutlich.

Dabei hat ein Rückzugsbedürfnis nichts mit sozialer Kompetenz oder Leistungsfähigkeit zu tun: Es ist einfach ein persönliches Merkmal wie Bewegungsdrang oder die Lust an  Diskussionen. Wer das respektiert, sichert sich die Freude am sozialen Leben und auch die Fähigkeit, optimal zu denken und zu arbeiten.

Wenn Sie zu den leisen Menschen gehören, dann gönnen Sie sich deshalb Ruhephasen im Alltag:
ein Mittagessen allein, ein kleiner Spaziergang zwischendurch, ein paar Seiten aus einem Buch (oder Blog).
Das wirkt Wunder: für Sie selbst und auch für Ihre Beziehungen zu anderen.

Herr Sohn leidet nach diesem Wochenende unter einer akuten Kirchenallergie. Das verstehe ich gut. Und ich werde zweierlei tun.
Erstens: ein entsprechendes Feedback geben.
Zweitens: mit Herrn Sohn Grenzen setzen üben: Er darf sich zurückziehen.
Auch unter „friendly fire“ wohlmeinender Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten.

ps: Herr Sohn hat diesen Beitrag freigegeben.


09. Mai 2010

Auf Euch, Ladies! (Zum Muttertag)

Muttertag – ein Reizwort, positiv wie negativ.
Und auch ein (Ge-)Denktag zum Thema Mütterlichkeit.

Was ist Muttersein eigentlich?

Für mich ist es vor allem eines : Kreativität. Ein Kind zu haben und ihm mit Liebe heranwachsen zu helfen: Dies ist wohl eine Art Ur-Kreativität und eine der ganz, ganz großen Erfahrungen im Leben. Doch ich glaube, es ist viel zu eng gedacht, wenn wir das Muttersein auf biologische Reproduktion begrenzen.

Statt aller grauen Theorie stelle ich Ihnen und Euch heute einige Frauen vor, denen ich über Twitter begegnet bin. Diese Frauen sind auf sehr unterschiedliche Weise Mütter…

@sandrabloggt81 hat einen körperbehinderten Sohn im Kindergartenalter. Sie ist außerdem Studentin, Ehefrau und Arbeitnehmerin. Ich bewundere die Tatkraft und die Klarheit, mit der sie ihren Alltag für uns nachzeichnet. Und ich wünschte, ich könnte etwas tun, um sie vor Rückenschmerzen vom vielen Kind-Tragen zu schützen…

@Bewitt09 hatte den Mut, nach vielen Jahren Distanz zu den Zeugen Jehovas zu suchen. Das hat sie viel gekostet – unter anderem den Kontakt zu ihrer eigenen Mutter. Nun hilft sie mit ihrem Buch und ihrer Begleitung anderen Menschen, aus Sekten auszusteigen.

@ZamyatSeminare hat die Kreativität zu ihrem großen Thema gemacht. Ihre Kinder sind die Bücher, die uns den Zugang zu unseren kreativen Kräften bahnen können.

@MotherInLaw_50 wirft sich mit großem persönlichen Einsatz gegen das Verbrechen Kindesmissbrauch: damit diejenigen früh eine Stimme und Beistand bekommen, die sie zu ihrem Schutz dringend brauchen.

@antjeschrupp schreibt klug und facettenreich über – jawoll! – Feminismus. Ich schätze ihren Input so, weil er mich gegen den Strich denken lehrt.

@manomama hat ihre Kreativität genutzt, um ein Unternehmen aufzubauen, das den Namen sozial mit Stolz und Recht tragen kann. Was für ein Mutterdasein! (@johnkluempers und Herr Sohn sind übrigens seit gestern glückliche manomama-Jackenträger!)

Kluge, mutige, warmherzige Frauen – auf Euch! Zum Muttertag!


05. Mai 2010

Leiser Mensch. Starker Auftritt.

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An diesem Montag gab ich einen Workshop für Wissenschaftler.
Ihr Anliegen: Präsentationen vor internationalen Panels vorbereiten.

Unter den Teilnehmern gab es einen, der in jeder Hinsicht leise war.
Leise Stimme, leise Gesten, leise Sprache.
Beim Präsentieren dann die Überraschung: Gelassen und mit großer Kompetenz sprach dieser leise Wissenschaftler von dem, was ihn in seiner Forschung umtreibt. Warum diese Forschung wichtig ist. Und wozu genau er die Mittel braucht, die er einwerben will. Und er sprach so, dass wir völlig fachfremden Zuhörerinnen und Zuhörer all dies genau verstehen und nachvollziehen konnten.

Ein leiser, in sich stimmiger Mensch, der genau wusste, wovon er sprach.
Wir hätten ihm alles gegeben, was in seinem Antrag stand!


26. April 2010

Verkäufer, Überzeugungstäter, Rettungsengel

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Service lernt man zu schätzen, wenn der neue Seminartisch im Treppenhaus feststeckt. Diese Geschichte hat zwei Teile.

Der Geschichte erster Teil

Ich habe nicht nur einen neuen Blog, sondern seit vier Wochen auch ein neues Büro. Einen ganzen Frühlingsvormittag gönnte ich mir für die Suche nach den genau richtigen Lampen für meinen neuen Veranstaltungsraum. Nach einer kleinen Bonner Odyssee, die wenig Interessantes brachte, geriet ich bei Möbel Schüller an den Geschäftsführer: Herrn Wolf. Herr Wolf machte als Verkäufer nicht nur alles richtig (höre, oh @LarsSchaefer!) – nein, er hatte sichtlich Freude daran, mit mir auf die Suche nach den besten Lampen zu gehen. Außerdem gab er mir einen echten Rabatt und schickte zwei Hilfskräfte, die mir die guten Stücke direkt in den Zielraum stellten. Ich war beeindruckt.

Der Geschichte zweiter Teil

Einige Tage später steckte dann dieser Seminartisch, Buche massiv und frisch geliefert, im Treppenhaus fest. Es ging nicht vor und nicht zurück. Der Anlieferer half nicht, mein Mann und ich sahen uns ratlos an. Mir fiel nur der Hauch einer Lösung ein: Herr Wolf als Möbelprofi, in seinem Innendesign-Laden um die Ecke. Ob er das Ding vielleicht auseinander bekäme?

Nichts zu verlieren. Ich ließ den Gatten im Treppenhaus und ging hinüber zum Geschäft. Herr Wolf war da. Hörte zu. Holte sich einen Assistenten, kam mit ins Treppenhaus. Stellte fest, dass dieses Ding ganz und gar untrennbar zusammengeleimt war. Hätte sich an dieser Stelle freundlich-bedauernd verabschieden können. Rollte stattdessen die Hemdsärmel hoch und wuchtete das Ding (das er nicht einmal verkauft hatte!), mit Assistent und Ehegatten irgendwie die fünf Etagen hoch. Stand stolz und nassgeschwitzt in meinem Veranstaltungsraum. Bewunderte die beiden Lampen, die er mir verkauft hatte, an ihrem neuen Platz.

Ich will nur noch bei solchen Menschen kaufen. Sagt mir, wo ich sie finde!

Hier findet Ihr schon einmal Herrn Wolf: www.schueller-moebel.de


26. April 2010

Zwischen Menschen?

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Eigentlich ist Twitter schuld. Vor einem Jahr war in meinem Kopf die Idee, so etwas wie einen Blog zu beginnen, schlicht nicht präsent.

Das Twittern wirkte so schwellensenkend wie anregend: Ich kam auf den Geschmack. Mini-Blogs in maximal 140 Zeichen, zwitschern statt Texte komponieren. Und eines Tages fand ich mich mitten im Web in lebendige, spannende, neue Dialoge zwischen Menschen verwickelt.

Zwischen Menschen – so heißt auch mein neuer Blog. Vor allem deshalb, weil die Überschrift mein Lieblingsthema skizziert: Nichts höre, sehe und lese ich lieber als das, was zwischen Männern und Frauen, Chefs und Angestellten, Rednerinnen und Zuhörern, Verkaufspersonal und Kundenschar im Austausch passieren kann.

Aus der kleinen Notizecke auf meiner alten Website wächst nun hoffentlich ein neuer Dialog. Ich schreibe, was zwischen Menschen so alles passiert. Und bin dabei gespannt, was mir passiert…